ELENA (elektronischer Entgeltnachweis) – Hintergründe, Fakten, Sicherheit, Klage, Stand der Dinge

By | 21. November 2010

Viel und kon­tro­vers dis­ku­tiert – ELENA. Doch was steckt dahin­ter?

Seit Jah­res­be­ginn 2010 sind alle Arbeit­ge­ber in Deutsch­land ver­pflich­tet, Ent­gelt­da­ten Ihrer Arbeit­neh­mer an eine zen­tra­le Daten­bank der Deut­schen Ren­ten­ver­si­che­rung elek­tro­nisch zu über­mit­teln. Grund­la­ge sind Beschlüs­se vom 28.03.2009 (das sog. ELE­NA-Ver­fah­rens­ge­setz) im Rah­men der Hartz-Geset­ze zur Ent­bü­ro­kra­ti­sie­rung. Begrün­dung: hohe Ein­spar­po­ten­tia­le durch Ersatz der Papier­flut bei Ein­kom­mens­nach­wei­sen für den Erhalt von Sozi­al­leis­tun­gen wie Wohn­geld, Arbeits­lo­sen­geld, Kin­der­geld etc.

Über­mit­telt und gespei­chert wer­den neben den rei­nen Ent­gelt­da­ten (was der Name ELENA impli­ziert) zusätz­li­che Anga­ben wie

  • Besteue­rung
  • Sozi­al­ver­si­che­rungs­ver­hält­nis­se
  • Beginn und Ende des Beschäf­tig­ten­ver­hält­nis
  • Abmah­nun­gen
  • Kün­di­gungs­grün­de.

Ursprüng­lich ange­dacht war eben­falls die Über­mitt­lung von Streik- und Aus­sper­rungs­zei­ten. Die­se wer­den nach Pro­tes­ten mitt­ler­wei­le nur noch als “sons­ti­ge Fehl­zei­ten” erfasst.

Für die Sicher­heit der Daten von ELENA soll ein pseud­ony­mi­sier­tes Abla­ge­ver­fah­ren sor­gen, heisst die Anga­ben wer­den nicht unter dem Real­na­men des Arbeit­neh­mers abge­spei­chert. Mit­tels einer Signa­tur­kar­te gibt ab 2012 ein Beschäf­tig­ter der anfra­gen­den Stel­le sei­ne gespei­cher­ten Daten in ELENA frei. Die anfra­gen­de Behör­de muss sich eben­falls legi­ti­mie­ren und für den Zugriff berech­tigt sein.

Kri­ti­siert wer­den sei­tens der Daten­schüt­zer, aber auch von ande­rer Sei­te:

  • die Anla­ge einer hoch­sen­si­blen zen­tra­len Daten­bank mit Daten über ca. 40 Mil­lio­nen Arbeit­neh­mer
  • die Mög­lich­keit, sich mit­tels der Daten ein umfang­rei­ches Bild über die wirt­schaft­li­che Situa­ti­on des Betrof­fe­nen ver­schaf­fen zu kön­nen
  • die lan­ge Spei­cher­dau­er von 5 Jah­ren
  • die Ver­schlüs­se­lung der Daten erst nach Ein­gang bei ELENA

Am 31.03.2010 wur­de gegen ELENA beim Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt in Karls­ru­he Ver­fas­sungs­be­schwer­de durch den FoeBuD e.V., wei­te­ren Daten­schutz­or­ga­ni­sa­tio­nen und den pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten Anwäl­ten Mein­hard Sta­ros­tik und Domi­nik Boecker ein­ge­reicht. Begrün­dung: das Recht auf infor­ma­tio­nel­le Selbst­be­stim­mung des Ein­zel­nen wer­de durch Art und Umfang ver­letzt. Die not­wen­di­gen 21.000 Unter­zeich­ner für eine sol­che Beschwer­de wur­den zuvor mit ent­spre­chen­dem media­len Auf­wand gesam­melt.

Update 04.07.2010:

Focus online berich­tet in sei­ner heu­ti­gen Online-Aus­ga­be, daß Wirt­schafts­mi­nis­ter Brü­der­le geneigt ist, die umstrit­te­ne und umfäng­li­che Arbeit­neh­mer­da­ten­spei­che­rung ELENA auf unbe­stimm­te Zeit aus­zu­set­zen – aus Kos­ten­grün­den. Die Belas­tun­gen für die öffent­li­chen Haus­hal­te dürf­ten nicht explo­die­ren. Eine wirk­li­che Ent­las­tung für den Mit­tel­stand sieht er eben­falls noch nicht als erwie­sen an.

Update 21.07.2010:

Es ist anschei­nend bei der Nei­gung geblie­ben, ELENA zu stop­pen. Nach ers­ten hit­zi­gen Dis­kus­sio­nen und zahl­rei­chen Medi­en­be­rich­ten ist das The­ma in der Ver­sen­kung ver­schwun­den. Kei­ner der Betei­lig­ten ver­liert mehr ein Wort über den mög­li­chen Stopp oder das vor­zei­ti­ge Aus von ELENA. Ich hal­te Sie infor­miert.

Update 22.09.2010:

Laut einer Mel­dung der c’t lehnt das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt den Eil­an­trag gegen ELENA ab. Es ver­weist auf das Haupt­sa­che­ver­fah­ren, das in 2011 fol­gen wird.

Update 21.11.2010:

Wenn nun auch ande­re Grün­de aus­schlag­ge­bend waren, als die ursprüng­li­chen Befür­wor­ter eines ELE­NA-Stopps ins Feld führ­ten, so ist es nun doch amt­lich. DIE ZEIT online berich­tet, der Start der Daten­über­mitt­lung mit ELENA ist auf den 01.Januar 2014 ver­scho­ben – aus Kos­ten­grün­den. Inwie­weit die schon in 2010 gestar­te­te Daten­über­tra­gung  – als ers­te Stu­fe von ELENA – an die zen­tra­le Spei­cher­stel­le bei der Deut­schen Ren­ten­ver­si­che­rung von die­sem Stopp eben­falls betrof­fen ist, steht noch nicht fest.

3 thoughts on “ELENA (elektronischer Entgeltnachweis) – Hintergründe, Fakten, Sicherheit, Klage, Stand der Dinge

  1. Dominik Boecker

    Mein­hard macht das Ver­fah­ren nicht allei­ne, son­dern es ist ein zwei­ter Anwalt mit an Bord.

    Aber dan­ke für das Update.

    VG
    Domi­nik

    Reply
    1. Sascha Kuhrau Post author

      Hal­lo Herr Boecker!

      Sie haben voll­kom­men recht. Selbst­ver­ständ­lich habe ich den betei­lig­ten Anwalt ent­spre­chend im Arti­kel ergänzt.

      Schö­nen Abend

      Reply
  2. Pingback: Ein Schuh für Schäuble » ELENA – Hintergründe, Fakten, Sicherheit, Klage, Stand der Dinge |

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