Goog­le Street View – Som­mer­loch­fül­ler oder Datenschutzrisiko?

Goog­le Street View steht seit Wochen in der Kri­tik und im Kreuz­feu­er von Ver­brau­chern, Daten­schüt­zern und der Poli­tik. Heu­te warnt Bun­des­in­nen­mi­nis­ter Tho­mas de Mai­ziè­re in den Stutt­gar­ter Nach­rich­ten vor über­eil­ten Reak­tio­nen: “Eine gesetz­li­che Rege­lung ist nicht unmög­lich, aber es wird kei­nen Schnell­schuss geben.” (sie­he c’t New­sti­cker).

Was erregt die Gemü­ter und spal­tet die Lager der­art? Goog­le star­tet im Herbst die­ses Jah­res sei­nen Dienst “Street View” in Deutsch­land. Die­ser Kar­ten­dienst soll zunächst für 20 gro­ße Städ­te ange­bo­ten wer­den (Ber­lin, Bonn, Bre­men, Bie­le­feld, Bochum, Dres­den, Dort­mund, Düs­sel­dorf, Duis­burg, Essen, Frank­furt am Main, Ham­burg, Han­no­ver, Köln, Leip­zig, Mün­chen, Mann­heim, Nürn­berg, Stutt­gart und Wup­per­tal). Seit 2008 kur­ven hier­für Kame­ra­fahr­zeu­ge durch Deutsch­land, Häu­ser und Plät­ze wer­den aus einer Kame­ra­hö­he von 2,50m auf­ge­nom­men. Die gesam­mel­ten Auf­nah­men sol­len den bereits eta­blier­ten Dienst Goog­le Maps sinn­voll ergän­zen und gan­ze Stra­ßen­zü­ge sicht­bar machen.

Daten­schüt­zer und zahl­rei­che Ein­woh­ner sehen dar­in einen Engriff in ihre Pri­vat­sphä­re. Es sei­en Rück­schlüs­se auf die per­sön­li­chen Ver­hält­nis­se und Lebens­ge­wohn­hei­ten der Ein­woh­ner mög­lich. Kri­mi­nel­le wür­den beim Aus­spä­hen von Woh­nun­gen und geeig­ne­ten Ein­bruchs­ob­jek­ten aktiv unter­stützt. Auf­grund der Tech­nik bleibt es nicht aus, daß Per­so­nen erkenn­bar direkt mit abge­lich­tet und spä­ter im Inter­net abge­bil­det werden.

Zuviel, mei­nen zahl­rei­che Poli­ti­ker und Daten­schüt­zer nun uni­so­no. Beson­ne­ner geht der Bun­des­in­nen­mi­nis­ter an die Ange­le­gen­heit her­an. “Wir müs­sen sehr sorg­fäl­tig dar­auf ach­ten, wann Quan­ti­tät in Qua­li­tät umschlägt und aus etwas Nor­ma­lem, der Blick auf eine Häu­ser­fas­sa­de mit Klin­gel­schil­dern und Brief­käs­ten, ein welt­weit mög­li­cher Ein­griff in die  Per­sön­lich­keits­rech­te des Ein­zel­nen wer­den kann”, sag­te er gegen­über der Thü­rin­ger All­ge­mei­ne. Aus die­sem Grund begrüßt er die Wider­spruchs­mög­lich­keit, die Goog­le anbietet.

Die­se geht eini­gen Prot­ago­nis­ten jedoch nicht weit genug man­gels recht­li­cher Bin­dung sowie der knapp bemes­se­nen Frist für Ein­spruchs­mög­lich­kei­ten sei­tens Goog­le. Den­noch ein Schritt in die rich­ti­ge Rich­tung, um der geschür­ten Auf­re­gung um das The­ma zu begeg­nen. Goog­le selbst hat ent­spre­chen­de Zusa­gen abgegeben.

Update 20.08.2010:

Goog­le hat die Wider­spruchs­frist von 4 Wochen auf 8 Wochen ver­län­gert und macht wei­te­re Zuge­ständ­nis­se gegen­über dem zustän­di­gen Ham­bu­g­er Daten­schutz­be­auf­trag­ten (golem​.de)

Update 24.08.2010:

Kuri­os: eine Grup­pe Pri­vat­per­so­nen kün­digt eine Kla­ge gegen Goog­le Street View an und läßt sich dafür mit Namens­nen­nung vor dem eige­nen Haus in der loka­len Pres­se ablich­ten. Lesen Sie den gan­zen Arti­kel im NDR extra‑3 Blog.

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